Frida
Ein paar Tage nach der Ausstellung in der Tate Modern ist Frida noch immer da.
Nicht als Erinnerung an einen Museumsbesuch. Eher als Gegenwart. Als Blick. Als Haltung. Als Kraft, die nicht laut werden muss, um unausweichlich zu sein.
Ich habe sie dort gesehen, in diesen Bildern, in dieser Schonungslosigkeit, in dieser radikalen Offenheit gegenüber dem eigenen Leben. Frida hat Schmerz nicht versteckt. Sie hat ihn angeschaut. Sie hat ihn gemalt. Sie hat ihn in Form gebracht, in Farbe, Linie, Symbol, Körper, Gesicht.
Darin liegt für mich ihre Grösse.
Sie war nie nur Ikone. Nie nur Bild, nie nur Mythos, nie nur das Gesicht, das heute auf Taschen, Plakaten und T-Shirts weiterlebt. Hinter allem steht ein Mensch, der aus Verletzung Kunst gemacht hat. Aus Ausgeliefertsein Haltung. Aus Brüchen eine eigene Sprache.
Rose Ausländer schrieb:
„Wirf deine Angst
in die Luft“
Diese wenigen Worte begleiten mich beim Blick auf Frida. Sie erzählen von einem Leben, das nicht heil wurde und dennoch leuchtete. Von einer Frau, die ihre Angst nicht verschwinden liess, die ihr eine Form gab. Einen Körper. Ein Gesicht. Ein Bild.
Genau so empfinde ich Fridas Werk: als ausgestellte Verletzlichkeit, als Widerstand, als künstlerische Antwort auf ein Leben, das ihr viel zugemutet hat. Ihre Bilder bitten nicht um Mitleid. Sie stehen da. Direkt, stolz, offen und unerbittlich wahr.
Heute habe ich versucht, etwas von diesem Eindruck auf Papier zu bringen. Keine fertige Erklärung. Keine Annäherung an ein Denkmal. Eher eine Verneigung. Eine Zeichnung nach ein paar Tagen Abstand, noch immer unter dem Eindruck dieser Ausstellung.
Frida bleibt.
Als Blick.
Als Widerstand.
Als Würde.
Als Kunst, die nicht ausweicht.
Graphit auf Papier.
Fotografiert auf der Staffelei.