Anna

Zwischen Danach und Jetzt

Ich weiss oft nicht, wo ich anfangen soll. Vielleicht tue ich genau deshalb manchmal gar nichts. Ich sitze da, starre an die Decke und suche Antworten, in Musik, in Büchern, in Geschichten von anderen Menschen. Aber sie bleiben aus.

Ich weiss nicht, wohin ich gehen soll, nicht, was richtig ist, nicht einmal, was sich wenigstens sinnvoll anfühlen würde. Alles wirkt gleichzeitig zu viel und zu leer. Jeder Schritt in eine Richtung fühlt sich falsch an.

Ich habe so viel überstanden. Chemotherapie, Strahlentherapie, Operationen. Und jetzt, wo alles vorbei ist, wo ich wieder gesund bin, sollte es leichter sein. Aber stattdessen stehe ich da und weiss nicht, wie es weitergeht. Es ist, als hätte ich gelernt zu kämpfen, aber nicht zu leben danach.

Ich spüre, dass ich etwas verändern möchte, dass ich mein Leben selbst in die Hand nehmen will, Entscheidungen treffen, die wirklich meine sind. Und gleichzeitig habe ich Angst davor, weil ich noch gar nicht weiss, wie dieses Leben aussehen soll, das ich mir wünsche. Ich weiss nur, dass ich mich in diesem hier oft fremd fühle. Das macht mich wütend, traurig und manchmal hilflos.

Und doch gibt es zwischen all diesen Gedanken immer wieder kleine Momente. Leise, kaum greifbar, aber da. Augenblicke, in denen etwas in mir ruhig wird, in denen ich für einen Moment spüre, dass ich noch da bin und dass da mehr ist als diese Unsicherheit.

Vielleicht geht es genau darum. Nicht sofort alles zu wissen, nicht sofort das richtige Leben zu finden, sondern Schritt für Schritt wieder zu lernen, was sich nach mir anfühlt. Und vielleicht reicht das im Moment. Ein Schritt, ein Atemzug und die leise Gewissheit, dass ich meinen Weg noch finden kann.

Michael hat Annas Porträt digital neu interpretiert.

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Milla ist wieder zurück im Garten