Regula
Regula – zwischen Angst und Hoffnung
Ich habe Regula im Gympark gezeichnet. Nicht mehr als Graphit auf Papier, ein Radiergummi, ein Tuch zum Verwischen und Regula selbst mit ihrem Blick und ihrer Ausstrahlung.
Die Chemotherapie liegt hinter ihr. Was geblieben ist, lässt sich kaum in medizinischen Berichten festhalten. Es sind die Erfahrungen, die Ängste, die langen Tage und Nächte, in denen die Gedanken schneller werden als die Antworten.
Aus unseren Gesprächen blieb mir vor allem eines: wie sehr eine Krankheit den Blick auf die Welt verändern kann. Plötzlich geraten Dinge durcheinander. Die Angst drängt sich in den Vordergrund, Gedanken verlieren ihre Ordnung, Gefühle übernehmen die Kontrolle. Man versucht, den Überblick zu behalten, und merkt doch, wie man sich selbst manchmal darin verliert.
Und trotzdem gibt es diese Momente, in denen etwas zurückkehrt. Nicht laut und nicht dramatisch. Eher wie ein leiser Gast, der lange auf sich warten liess: Hoffnung.
Als ich Regula vor mir hatte, sah ich genau diesen Augenblick. Den Moment, in dem die Hoffnung stärker wurde. In ihrem Blick liegt keine Geschichte, die abgeschlossen ist. Er erzählt von einem Weg, der durch Angst, Erschöpfung und Unsicherheit geführt hat. Ja, die Müdigkeit ist da. Die Erfahrungen sind da. Aber auch eine Klarheit, die nur entsteht, wenn man Dinge überstanden hat, die man sich niemals ausgesucht hätte.
Ihr Blick war und ist ruhig und gleichzeitig unbeirrbar. Als hätte sie erfahren, wie zerbrechlich alles sein kann und gerade deshalb beschlossen, weiterzugehen.
Graphit auf Papier
Noch immer unterwegs
Wir malen den Himmel blau mit unseren Zehenspitzen und unser Haar wird zu Gras.
Wenn wir könnten, würden wir uns einfach treiben lassen. Vielleicht würden wir gehen. Vielleicht lieben. Mit ein wenig Glück sogar beides. Das wäre doch etwas. In diesem Sommer unter Herbststernen. In diesen Wende- und Wunderzeiten mit all ihren kleinen und grossen Momenten.
So oft warten wir darauf, dass plötzlich alles anders wird. Nicht leise. Nicht langsam. Wir wünschen uns Luftballons, Konfetti und Knallbonbons. Wir wünschen uns Krawall und Remmidemmi, ein deutliches Zeichen, dass die schwere Zeit vorbei ist und das Leben endlich wieder beginnt.
Doch meistens geschieht Veränderung anders.
Sie kommt nicht mit Pauken und Trompeten. Sie sitzt irgendwann neben uns auf einer Bank. Sie schaut uns aus dem Spiegel entgegen. Sie steht plötzlich vor uns in Gestalt einer Hoffnung, die lange auf sich warten liess.
Dann merken wir, dass wir noch hier sind.
Dass wir die Angst überstanden haben. Die langen Nächte. Die Tage, an denen die Gedanken schneller waren als jede Antwort. Dass wir trotz allem weitergegangen sind.
Manchmal ist Hoffnung nichts Spektakuläres. Manchmal ist sie einfach die Entscheidung, den nächsten Schritt zu machen.
Und vielleicht ist genau das das Wunder.
Nicht, dass alles anders wird.
Sondern dass wir es werden.