Milla und der Weg ohne Regen

Milla schloss das Fenster. Sie packte ein paar Dinge in eine kleine Tasche, nichts, das von wirklicher Bedeutung gewesen wäre, schrieb einen kurzen Brief und legte ihn auf den Schreibtisch. Alles, was sie wusste, war, dass sie gehen musste. Wohin, wusste sie nicht. Nur fort. Mit der Tasche, mit diesem Tag, mit sich selbst.

Sie trat hinaus und ging. Zuerst durch die vertrauten Strassen, vorbei an Häusern und Gärten, doch bald endete der Gehweg, die Stadt verlor sich, und auch die grossen Strassen hörten auf. Milla ging weiter. Sie lief durch Tage und Nächte, immer unter der gleichen stillen Sonne, ohne Ziel, nur getragen von der Bewegung.

Es hatte noch immer nicht geregnet in jenem Frühling. Die Luft blieb trocken, der Himmel leer. Und mit jedem Schritt wurde Milla leichter, fast, als würde etwas von ihr zurückbleiben. Gleichzeitig wurde sie dünner, blasser, durchscheinender, als würde sie langsam Teil dieser stillen Landschaft werden.

Eines Abends blieb sie stehen. Vor ihr lag nichts als der Weg, hinter ihr nichts, das sie zurückrief. Sie setzte sich ins Gras, legte die Tasche neben sich und schloss die Augen.

Vielleicht, dachte sie, geht es gar nicht darum, wohin man geht. Vielleicht reicht es, dass man geht.

Als sie die Augen wieder öffnete, zog weit entfernt eine erste Wolke über den Himmel.

Zur Geschichte

Diese Geschichte ist spontan entstanden, aus Eindrücken der letzten Tage und aus den Gedanken und Rückmeldungen zu den Bildern. Insbesondere das Feedback zu Milla, ihre Zartheit, Neugier und ihr stilles Unterwegssein, hat den Text wesentlich geprägt.

Der Text folgt keinem festen Konzept, sondern versteht sich als Momentaufnahme eines inneren Prozesses: ein Weitergehen, ein Suchen, ein leises Sich-Verlieren und Wiederfinden. Vieles bleibt bewusst offen und lässt Raum für eigene Deutungen.

Damit ist die Geschichte weniger als klassische Erzählung angelegt, sondern vielmehr als Zustand. Getragen von dem, was von aussen an mich herangetragen wird und im Inneren weiterwirkt.

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Milla und der Regen

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Die, die schaut