Lisbeth

Auf dem Weg zurück

Eine Auftragsarbeit für eine stille Heldin.

Ausnahmsweise ist dieses Bild als Auftrag entstanden. Lisbeth hatte in meinem Atelier das Porträt einer anderen stillen Heldin gesehen, das sie nicht mehr losliess. Diese Frau hatte immer wieder gesagt:

«Ich will Frau bleiben.»

In diesem Satz erkannte Lisbeth etwas von sich selbst. Den Wunsch, sich durch Krankheit, Verletzungen und alles Erlebte nicht die eigene Weiblichkeit nehmen zu lassen. Frau zu bleiben. Mit der eigenen Würde, der eigenen Geschichte und dem Recht, sich im eigenen Körper wiederzufinden.

Sie wollte in einer ähnlichen Haltung dargestellt werden, hatte dabei jedoch sehr genaue Vorstellungen von ihrem eigenen Bild. Stolz sollte sie dastehen. Aufrecht. Verletzlich und stark zugleich. Als eine Frau, die viel hinter sich hat und trotzdem nicht kleiner geworden ist.

Ebenso wichtig war ihr, dass man ihr Freisein spürt. Nicht nur Freiheit als äussere Haltung, vielmehr dieses innere Loslassen: frei von Erwartungen, von fremden Blicken und von allem, was sie auf ihre Krankheit oder ihre Vergangenheit reduzieren könnte. Diese Freiheit sollte in ihrem Körper, ihrem Blick und in der Offenheit des Bildes sichtbar werden.

So wurde der Weg für mich zum Sinnbild. Kein gerader Weg zurück in ein früheres Leben, denn manches lässt sich nicht wiederherstellen. Es ist ein Weg zurück zu sich selbst. Zu jener Frau, die unter all den Erfahrungen, Ängsten und Veränderungen nie ganz verschwunden ist.

Rilke schrieb:

«Wer spricht von Siegen?
Überstehn ist alles.»

An diese Zeilen musste ich bei Lisbeth denken. An das Überstehen. An die Würde, die bleibt. An eine Kraft, die nicht laut sein muss, um sichtbar zu werden. Und an die Freiheit, sich das eigene Leben und das eigene Frausein wieder anzueignen.

Noch ist das Bild nicht fertig. Es steht auf der Staffelei, noch in Arbeit, noch im Suchen. Ich habe lange gezögert, vieles verändert, wieder verworfen und neu begonnen. Manche Bilder verlangen mehr Zeit, weil sie nicht nur ein Gesicht zeigen. Sie tragen eine Haltung, eine Geschichte und einen tiefen Wunsch in sich.

Auch ein wenig meiner Lieblingsmalerin ist darin zu finden: in den Blumen, im stillen Ernst und in der Art, wie Würde, Schmerz, Schönheit und Freiheit nebeneinander bestehen dürfen.

Lisbeth steht da.

Barfuss.
Offen.
Stolz.
Frei.

Nicht am Ende ihres Weges, doch auf dem Weg zurück zu sich selbst.

Graphit und Tusche auf Papier.

Weiter
Weiter

Bleib