Ich bin traurig
Das ist nichts, was ich verstecke. Es ist da, leise und beständig. Manche sehen es, andere gehen daran vorbei. Es macht keinen Unterschied. Die Traurigkeit sitzt neben mir. Sie ist nicht laut, nicht dramatisch. Sie ist einfach da. Manchmal legt sie ihre Hand in meine, hält sie fest. Zu fest vielleicht. Aber sie lässt mich nicht allein.
Es gibt Tage, da nimmt sie mir den Mut, das Lächeln, die Leichtigkeit. Tage, an denen alles schwer ist, jeder Schritt, jeder Gedanke. Und dann gibt es diese anderen Momente, in denen ich merke, dass sie nicht alles ist. Dass noch etwas anderes da ist.
Ein Atemzug.
Ein Blick.
Ein kleines Stück Wärme.
Ich habe nicht verlernt zu fühlen. Ich habe nur gelernt, dass nicht alles hell sein muss, um echt zu sein. Die Traurigkeit gehört jetzt zu mir. Aber sie ist nicht mein ganzes Leben. Sie geht neben mir, nicht vor mir.
Und irgendwo, manchmal ganz leise, ist da noch etwas anderes.
Nicht gross. Nicht laut.
Aber genug, um weiterzugehen.
Dieses Bild ist in Tusche, Graphit und Stabilo entstanden. Die Linien sind bewusst roh gehalten, suchend, teilweise fast brüchig, als würden sie nicht nur eine Form beschreiben, sondern einen Zustand.
Der erste Entwurf dieses Porträts entstand bereits im Dezember 2025. Damals blieb es unvollendet. Es fehlte noch etwas, das sich nicht erzwingen liess. Erst mit Abstand, Zeit und Geduld konnte ich den Zugang wiederfinden und das Bild in seiner jetzigen Form vollenden.
Im Zentrum steht eine spürbare Ambivalenz: Traurigkeit ist da, klar und ungeschönt. Und gleichzeitig liegt in ihr eine unerhörte Kraft. Eine stille, aufrechte Präsenz, die sich nicht auflöst, sondern standhält.
Gerade in dieser Spannung, zwischen Verletzlichkeit und innerer Stärke, liegt für mich die eigentliche Aussage des Bildes. Es zeigt keinen Moment des Zerbrechens, sondern einen Zustand des Dazwischen: getragen, wach, und trotz allem unerschütterlich.