Vor offenen Türen (6.0)

Die Türen stehen offen, sperrangelweit, ebenso die Fenster. Und wir stehen davor, zögernd, tastend, als würde uns etwas zurückhalten, für das wir keinen Namen haben. Sich fallen lassen, wie leicht das klingt und wie schwer es doch ist, wenn sich unsere Füsse anfühlen, als wären sie in Beton gegossen.

Manchmal wünschen wir uns einen Regen, der alles fortwäscht: Zweifel, Angst, das Zuviel. Einen Regen, der nichts zurücklässt als leeren, fruchtbaren Boden für neue Gedanken, neue Träume, für Offenheit. Und irgendwo darin wir, mit all unseren Widersprüchen, mit leisen Melodien und diesem feinen Zittern deiner Oberlippe, kurz bevor du lachst.

„Wie schön das wäre“, sagst du. „Wie schön du bist.“
Ich zucke nur mit den Schultern und bleibe stehen vor den offenen Türen, wie ein Reh im Scheinwerferlicht.

Aufgenommen mit einer Nikon F2 auf Kodak-Film, nach einem langen Tag. Vor wenigen Wochen im Fotolabor vergrößert und anschließend digitalisiert.

Danach wurde das Bild von Michael behutsam digital weiterentwickelt. Seine Bearbeitung folgt konsequent dem ursprünglichen Moment – sie greift nicht ein, sondern arbeitet heraus, was bereits angelegt ist: Licht, Tiefe und Atmosphäre. So bleibt die Essenz der Aufnahme erhalten und gewinnt zugleich an Präsenz.