Und in demselben Flusse (7.0)

Die Schwierigkeiten verwandeln. Alles umpolen, was du eigentlich liebst, nur nicht so. Nicht unter diesen Bedingungen. Nicht in dieser Form.

Deine Träume bestanden schon immer zu einem grossen Teil aus Unmöglichkeiten. Und trotzdem sind viele von ihnen wahr geworden. Für die anderen bleibt noch Zeit. Vielleicht sogar mehr, als du manchmal glaubst. Nur der Raum wird enger, weil sich im Laufe der Jahre so vieles angesammelt hat: Wünsche, Erinnerungen, Versprechen, begonnene Wege, nicht zu Ende gedachte Möglichkeiten.

Also versuchst du, etwas zu verändern. Etwas, das dir den Boden unter den Füssen wegzieht, das Strudel um dich bildet und sich um dein ganzes Leben legt. Etwas, das keinen Bereich unberührt lässt, nie ganz verschwindet, sich nie endgültig verabschiedet und doch immer wieder da ist.

Vielleicht beginnt Veränderung genau dort: nicht im grossen Aufbruch, nicht im lauten Neuanfang, sondern in diesem leisen Versuch, dem Schweren eine andere Richtung zu geben. Nicht alles auf einmal. Nur so viel, dass du wieder stehen kannst. Und vielleicht irgendwann wieder gehen.

Dieses Bild ist am Montag auf der Schützenmatte in Burgdorf entstanden. Spontan, nach einem Wiedersehen an der Solennität. Fotografiert mit der analogen Leica und gerade erst digitalisiert.

Wir standen dort, sprachen miteinander und tauchten gemeinsam in alte Erinnerungen ein. An frühere Begegnungen an der Emme. An Bilder, die damals entstanden sind. An eine Zeit, in der vieles noch offen war und manches vielleicht erst später seine Bedeutung bekommen sollte.

Vielleicht war genau dieses Wiedersehen der Auslöser, noch einmal Bilder entstehen zu lassen. Nicht geplant, nicht vorbereitet, sondern aus dem Moment heraus. Aus diesem kurzen Zurückschauen und dem gleichzeitigen Wissen, dass heute alles anders ist.

Am gleichen Abend ist der Text entstanden.

Eine Art Nachklang. Ein Versuch, etwas von dem festzuhalten, was zwischen früher und heute liegt: Träume, Veränderungen, Umwege, Verluste, Möglichkeiten. Und dieses leise Wissen, das Goethe so schön formuliert hat:

„Ach, und in demselben Flusse
schwimmst du nicht zum zweitenmal.“

Vielleicht ist genau das der Kern dieses Bildes: dass man einem Menschen wiederbegegnet, Erinnerungen auftauchen und doch nichts mehr dasselbe ist. Der Fluss ist noch da. Der Blick auch. Aber die Zeit ist weitergegangen.