Solange die Margeriten blühen (6.1)
Sammelt die Margeriten, solange ihr könnt. Nichts bleibt, wie es ist, und die Zeit kennt kein Innehalten. Heute lächelt die Blüte noch im Licht, morgen ist sie schon verwelkt, kaum mehr als eine Erinnerung an ihre kurze Schönheit.
Auch die Sonne zieht unaufhaltsam über den Himmel. Je höher sie steigt, desto schneller scheint sie sich wieder dem Horizont zuzuneigen. So ist es auch mit dem Leben: Kaum hat die Jugend begonnen zu leuchten, zieht sie schon weiter, und das Alter rückt leise näher.
Darum gilt es, den Augenblick nicht verstreichen zu lassen. Die Zeit wartet auf niemanden. Was heute möglich ist, kann morgen bereits vergangen sein. Vielleicht liegt gerade darin die stille Wahrheit des Lebens: dass wir den Mut haben müssen, dem Moment zu vertrauen, bevor er sich wieder entzieht.
Inspiriert von:
To the Virgins, to Make Much of Time
Robert Herrick (1648)
Gather ye rosebuds while ye may,
Old Time is still a-flying;
And this same flower that smiles today
Tomorrow will be dying.
The glorious lamp of heaven, the sun,
The higher he's a-getting,
The sooner will his race be run,
And nearer he's to setting.
That age is best which is the first,
When youth and blood are warmer;
But being spent, the worse, and worst
Times still succeed the former.
Then be not coy, but use your time,
And while ye may, go marry;
For having lost but once your prime,
You may forever tarry.
Meine freie Übersetzung der berühmten ersten Zeilen könnte lauten:
Pflückt die Rosenknospen, solange ihr könnt,
denn die Zeit fliegt unaufhaltsam dahin.
Die Blume, die heute noch lächelt,
wird morgen bereits verwelkt sein.