Salz der Nacht (2.1)
Sie nimmt sich, was sie will: dein Herz, mit Salz darauf, und diesem Hauch von Zitronenpfeffer, den du so liebst.
„Das ist gar nicht schlimm“, flüsterst du. „Es tut nicht mehr weh.“
Nicht mehr als die Angst vor dem Tag, an dem uns das Salz knapp wird
und die Erinnerung schal.
Und doch: Glück ist nicht fremd. Nicht fern. Nicht nur für andere da.
Mit der Liebe ist es ähnlich , fast gleich, fast auf derselben Ebene
wie unsere Furcht.
Zur Mitternacht zittern deine Gedanken noch einmal auf,
eine Anklage an die Welt, die du nicht mehr ernst nehmen kannst
und längst nicht mehr ernst nehmen willst.
Nicht heute. Und auch nicht morgen.
Bitteschön. Das wär doch mal was.
Dieses Bild ist für mich ein stiller Widerstand gegen das Dunkel: nicht der Kampf, sondern das Aufhören, allem Gewicht zu geben. Das Gesicht im Profil, die geschlossenen Augen, wie ein Moment, in dem man nicht mehr erklärt, nicht mehr verteidigt, nicht mehr anklagt.
Mich berührt die Idee, dass Schmerz mit der Zeit nicht verschwindet, aber seine Schärfe verändert. Wie Salz: es konserviert, es brennt, es würzt und irgendwann bleibt nur noch der Geschmack der Erinnerung. Und genau dort, in dieser feinen Linie zwischen Furcht und Liebe, liegt die Würde dieses Moments.
Aufgenommen habe ich das Bild mit der Leica Q2. Für mich hält es einen Augenblick fest, der gleichzeitig ruhig und intensiv ist. Das Licht modelliert den Körper und seine Linien, während die Dunkelheit dahinter jede Haltung und jede kleine Nuance des Ausdrucks stärker sichtbar werden lässt.
In seiner digitalen Bearbeitung hat Michael dem Bild eine weitere Ebene gegeben. Strukturen, Spuren und feine Brüche legen sich über die Aufnahme und lassen sie wirken wie eine Erinnerung, etwas, das gleichzeitig gegenwärtig und schon ein wenig vergangen ist.