Die Wahl der Seele
In mir leben Sehnsüchte, weich und wild zugleich. Sie fliessen wie Wasser über Steine, legen sich an mein Innerstes, berühren mich dort, wo Worte verstummen. Sie gehören zu mir wie der Rhythmus meines Atems, wie die Wärme meiner Hände. Nicht jede*r hält sie aus. Doch jene, die wirklich schauen, erkennen darin mein Wesen.
Meine Seele hat sich für dieses Gefühl entschieden. Es ist zart, aber nicht zerbrechlich. Es hinterlässt Spuren, sichtbar, spürbar, echt. Es strahlt aus in jede Berührung, in jeden Blick, in jeden Raum, den ich betrete.
Ich bemühe mich, funktional zu sein. Klug. Schnell. Anpassungsfähig. Doch wenn ich frei wählen darf, wähle ich das, was mich ausmacht. Was ich bin: meine Sehnsüchte. Nicht aus Leere. Nicht aus Schwäche. Sondern weil sie mich in meinen Körper zurückholen. In mein Jetzt. In mein Ganzsein.
Dieses Bild ist an der Emme im Emmental auf analogem Film entstanden. Im Fotolabor entwickelt und später eingescannt, mit all den Spuren, die Chemie, Zeit und Material hinterlassen.
Danach hat Michael das Foto in seiner ruhigen, zurückhaltenden Art digital weiterbearbeitet. Sanft, ohne Effekte, nur so weit, dass die Stimmung dieses Nachmittags noch deutlicher wird: die Konzentration im Blick, die Verletzlichkeit der Nacktheit, die Ruhe des gefällten Baumstamms, das wuchernde Durcheinander der Äste im Hintergrund.