Die Königin ist tot

Der Kopf ein Käfig, ein Ameisenhügel voller Gedanken.
Die Königin ist tot, und wir lösen uns auf in geordnetem Chaos. Zurückschauen, uns umsehen und feststellen, dass wir uns verändert haben,
über all das Suchen hinweg, mit dieser ganzen Sehnsucht in der Magengrube und der Narrenkappe auf dem Kopf.
Es stört uns nicht einmal mehr, es ist uns gleich und ein bisschen zum Lachen ist es ja schon. Das ganze Getöse, das ganze Gezeter, die ständige Angst. Wer kann sich da noch ernst nehmen, wer kann noch ernst bleiben?

Wer stiehlt ein Pferd und wer reitet darauf ohne Sattel?

Dieses Bild will einen Zustand zeigen.
Es ist kein Porträt im klassischen Sinn.

Der Körper steht still, doch im Kopf herrscht Bewegung: Gedanken wie Ameisen, ein System, das einst Ordnung kannte und sich nun neu formiert. Die Königin ist tot und mit ihr die alten Hierarchien. Was bleibt, ist ein geordnetes Chaos, ein Schwebezustand zwischen Kontrolle und Loslassen.

Das Gesicht ist teilweise verborgen. Nicht aus Scham, sondern aus Müdigkeit.
Müdigkeit vom ständigen Suchen, vom Zurückschauen, vom Ernstnehmen dessen, was längst brüchig geworden ist. In dieser Müdigkeit liegt auch etwas Befreiendes: ein leises Lächeln über das eigene Getöse, über die Angst, über die Narrenkappe, die man irgendwann nicht mehr abnimmt, sondern akzeptiert.

Wer stiehlt ein Pferd?
Wer reitet ohne Sattel weiter?

Das Bild gibt keine Antworten. Es hält inne.
Es zeigt den Moment, in dem man erkennt, dass Veränderung längst geschehen ist und dass man trotzdem noch hier steht.

Entstanden im Atelier vor der schwarzen Wand.
Fotografiert mit der Leica Q2,
anschliessend, wie immer, sachte digital bearbeitet von Michael.